Volvo Open 70

Mit 563 Seemeilen in 24 Stunden ist er derzeit der schnellste Mono der Welt. Designed für dasVolvo Ocean Race ist die Geburtsstunde des VO 70 das Volvo Ocean Race 2005/2006. Dort kamen die Racer zum ersten Mal zum Einsatz. Die Boote sind 21,5 Meter lang und 5 Meter bis 5,7 Meter breit. Der Mast hat eine Höhe von 31,5 Metern.
Der Rumpf mit Knickspant-ähnlichem Design hat im Vorschiff ausgeprägte Kanten, die als Auftriebsreserven ein Eintauchen des Bugs bei Welle und enormen Geschwindigkeiten verhindern. Das Vorschiff ist damit in der Wasserlinie schmaler was vor allem bei Leichtwind Vorteile mit sich bringt. Um Wiederstand weiter zu verringern und die Bugwellen zu brechen gibt es die sog. Sprayrails, Leisten am Bug als integraler Bestandteil des Schiffes. Die Bordwände ragen senkrecht auf.
Die wohl größte Neuerung des VO 70 gegenüber den seit 1993 gesegelten W60, zugleich aber auch der empfindlichste Teil des Schiffes ist der Schwenkkiel. Das Gesamtgewicht mit Ruder und Schwert beläuft sich auf maximal 7,4 Tonnen, das des Rumpfes auf 13,86 bis 14,00 Tonnen. Damit soll das aufrichtende Moment für alle Teilnehmer gleich sein. Stahlfinne inklusive Bleibombe ragen maximal 4,5 Meter in die Tiefe. Der Schwenkbereich beträgt dabei 40°. Die VO 70 sind mit Doppelruderanlagen ausgerüstet. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand. Zum einen taucht bei Neigung nur das Luvruder aus dem Wasser auf, das Leeruder behält seine vollständige Lateralwirkfläche und erzeugt zudem nur geringen Wiederstand. Zum anderen ist bei Ruderbruch immer noch ein Ruder vorhanden und die Manövrierbarkeit des Schiffes bleibt erhalten. Erlaubt sind auch Ruder, die bei Kollisionen selbstständig hochklappen, sog. Kick-up-Ruder. Da die Aufhängungen jedoch sehr schwer sind und die Ruder hinter dem Spiegel angehängt werden benutzt kaum ein Team diese Ruder. Man möchte schließlich Gewicht sparen und Strömungsabriss verhindern. Zwei leicht angewinkelte Steckschwerter sind ebenfalls vorgeschriebener Teil des Bootes, wobei ihre Länge unbestimmt ist. So steht es jedem Team frei seinem Boot nach eigenem Ermessen bestimmte Eigenschaften zu verschaffen.
Mit enormem Windwiederstand, besonders bei starken Winden rückte der Mast mehr und mehr in den Mittelpunkt der Entwicklungsarbeiten des neuen VO 70. Die Aerodynamik zu verbessern forderte von den Teams viel mehr Zeit im Windkanal als je zuvor. Das minimal zulässige Gewicht des Riggs ohne Baum wurde auf 625 kg reduziert. Neu ist auch die Genehmigung der Verarbeitung von Kohlefasersträngen für das stehende Gut. Kunstvoller fallen nun die Salingbeschläge aus. Zudem werden Rollen und Beschläge in die Maststruktur eingearbeitet und um den Stauchdruck zu verringern wird der Segelkopf am Masttop an einem fest verbauten beweglichen Haken befestigt. Schließlich können auf die Püttinge bis zu 20 Tonnen, am Mastfuß sogar bis zu 50 Tonnen in Höchstbelastungsmomenten wirken.
Zur Verfügung stehen den Teams der VO 70 insgesamt 24 Segeltücher und Trysegel, dreieckige Sturmsegel. Das Großsegel fast eine maximale Gesamtfläche von 175 m², die Genua etwa 182 m² und der Gennaker mindestens 300 m², maximal jedoch 500 m² Segelfläche. Seither darf auch der Code Zero, ein bis in den Masttop reichender Gennaker wie alle anderen Segel gerollt werden. Alle Volvo Open 70 sind zudem mit 3-DL Segeln von Noth Sails ausgestattet. Die herkömmliche Herstellung von Segeln basiert auf dem Prinzip, das die dreidimensionale Form durch das Profil von mehreren zusammengenäht oder –geklebten Segeltuchbahnen entsteht. Anstatt jedoch flaches Tuch mit gebogenen Kanten zusammenzuführen wird nun das gesamte Segel in einem zusammenhängenden Stück über eine dreidimensionale Form hergestellt. Meistens enthalten diese zudem Kevlarfasern als Lastfäden, da Kohlefaser und PBO, Polyphenylene-2,6-benzobisoxazole als eine hoch reißfeste Kunstfaser nicht zugelassen sind. Diese Art der Segel bringen enorme Vorteile, da sie etwa 20% leichter und zugleich formstabiler sind und sich weniger dehnen als herkömmliche Segel. Dadurch können sie ein breiteres Spektrum an Windstärken abdecken womit sich ihre Einsatzmöglichkeiten erhöhen und die Zahl der mitzuführenden Segel reduziert werden kann.
Die neuen VOLVO OPEN 70 sind rund um ein Wunder der Technik. Die Segler, die sie steuern treten den Kräften von Wind und Welle respektvoll gegenüber, welche die Yachten über die Ozeane tragen…

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Hier noch einmal die Daten der VO70 im Überblick:
Länge üa 21,50 m
Länge Wasserline ca. 20,50 m
Breite 4,70–5,70 m
Tiefgang 4,50 m
Verdrängung 12,5–14,0 t
Ballast (Kiel/Wasser) 4,5/1,2 t
Spi 330–500 m2
Genua 140 m2
Großsegel 172 m2
Masthöhe 31,50 m

Die Konstruktion der VO70 der zweiten Generation für das Volvo Ocean Race 2011-2012

Das Volvo Ocean Race 2011-2012 steht in den Startlöchern. Im Gegensatz zum letzten mal hat sich einiges verändert. Nicht nur, dass Puma seine erste Segel-Kollektion rausgebracht hat, auch die Yachten haben sich gewaltig verändert.

Die Volvo Open 70, auch VO70 genannt ist eine relativ offene Klasse. Nicht wie die X119, diese ist relativ begrenzt. Die Kreativität der Designer ist nur durch ein paar grundlegende Faktoren begrenzt. Zum einen das Schwenkkiel, welches die Yachten auch bei extremen Bedingungen gerade halten soll. Die VO60 machte eher den Eindruck als wären sie Dickschiffe mit großem Mast und viel Technik. Die schnellen Gleiter die während des Volvo Ocean Race ab Oktober um die Welt jagen, sehen extrem schmal und doch breit genug für Atlantik und Pazifik aus. Auf neue Geschwindigkeitsrekorde a la Illbruck können wir uns also schon freuen. Denn die VO70 soll bis zu 21 Tage schneller um die Welt segeln als die 60er.

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